Zweite ornithologische Reise in Nord-West-Marokko (Februar 2013) 

Einfarbstare im Duett
Einfarbstare im Duett
Haussperling (mit Wäscheklammer)
Haussperling (mit Wäscheklammer)

In Fes angelangt, hatten wir ein wunderschönes Riad mitten in der autofreien Medina von unserer Tochter organisiert bekommen, die dort ein halbes Jahr verbrachte. - Erste Vogelkontakte gibt es am nächsten Morgen von der Dachterrasse des Hauses mit Blick auf die unzähligen Satelliten-Schüsseln auf den Dächern der Altstadt: Einfarbstare singen gemeinsam mit Haussperlingen mit lauten Stimmen, die durch die tiefen Innenhöfe widerhallend verstärkt werden. Dazu mischen sich die Rufe der Türkentaube.

Über hundert Kuhreiher verlassen morgens ihren Schlafplatz und nehmen die Felsregion unterhalb der römischen Grabstätten gemeinsam mit den Dohlen ein. Rötelfalken fliegen vom Hotel Les Merinides am Hügel gegenüber, wo sie Brut- und Schlafmöglichkeit haben, allmählich herüber und auch einzelne Sperber suchen im Gleitflug das Dächergewirr der Altstadt nach Singvögeln ab. Hoch im ausnahmsweise mal blauen Himmel treiben Weißstörche in der Thermik immer höher.

Römische Grabstätte am Stadtrand von Fes mit zum Trocknen ausgelegten gegerbten Lederhäuten
Römische Grabstätte am Stadtrand von Fes mit zum Trocknen ausgelegten gegerbten Lederhäuten

Von den Blüten und Sämereien der Ruderalpflanzen, die auf den Gemäuern der zahllosen Dachterrassen wachsen, ernähren sich Girlitze, die schon früh im Jahr fleißig ihren Reviergesang vortragen. Im Stadtpark nahe der Medina zanken sich Amseln um Reviere. Teichhühner und Zwergtaucher leben an den künstlich angelegten Wasserflächen des Parks. Gelegentlich bricht laut ein Seidensänger hervor und viele Zilpzalpe fangen kleine Mücken, die über das Wasser tanzen. Hausrotschwänze, Gebirgs- und Bachstelzen nutzen ebenfalls den Park mit den Wasseranlagen und in den Baumkronen hört und sieht man die miteinander kommunizierenden Graubülbüls. Leider haben wir nicht darauf geachtet, dass die Elstern mit dem blauen Hautfleck hinter dem Auge eine nordwestafrikanische Unterart (Pica p. mauritanica) ist.

Sperbermännchen auf Patrouille
Sperbermännchen auf Patrouille
Girlitz bei der Blütenmahlzeit auf dem Dach
Girlitz bei der Blütenmahlzeit auf dem Dach

Überall zugegen, wo es Gehölz gibt, sind Erlenzeisige im Geäst und gelegentlich lässt sich schon eine Mönchsgrasmücke hören. Abends, wenn es schon richtig dunkel ist, fallen Bachstelzen in die vielbefahrenen Straße Mohammed V. ein, um die Nacht in den Straßenbäumen der 2-Millionen-Stadt zu verbringen. Letztendlich nur zwei Hausammern ließen sich in dieser Aufenthaltswoche sehen und von den Hausseglern, die angeblich Jahresvögel dort sind, konnte kein einziger festgestellt werden: Viel zu kalt, keine Insekten in der Luft und im nahen Mittleren Atlas schneit es. Alles vernünftige Gründe dafür, hier als Insektenjäger (noch) nicht aktiv sein und lieber in Kältestarre (Torpor) abzuwarten.

Raubwürger der Unterart "elegans"
Raubwürger der Unterart "elegans"

Wir machen uns mit einem Mietwagen für zwei Tage auf nach Moulay Bousselham. Dort mündet der Merja Zerga in den Atlantik. Die Brackwasserlagune soll laut Noeske & Halley in Limicola 6 (1992) die vogelreichste Gegend Marokkos sein: Die Wasserfläche schwarz von Blässhühnern, massenhaft Goldregenpfeifer und Uferschnepfen und auch die extrem seltenen Dünnschnabelbrachvögel sollen dort vorkommen. Welch große Erwartungen! Vorher geht es aber zur Römerstadt Volubilis bei Moulay-Idriss, 60 km westlich von Fes. Unterwegs machen wir ein kleine Rast oberhalb des Stausees Sidi Chahed, am dem Stelzenläufer aus weiter Ferne zu erkennen sind. Zwischen den kleinparzellierten Äckern finden Raubwürger (L. excubitor elegans) noch Heckensäume, um darin brüten zu können. Hänflinge, Stieglitze, Schwarzkehlchen und Zilpzalpe sind überall anzutreffen.

Nistender Weißstorch bei der Gefiederpflege auf antiker Römersäule in Volubilis
Nistender Weißstorch bei der Gefiederpflege auf antiker Römersäule in Volubilis

In der Ruinenstadt hat sich auf römischen Säulen der Weißstorch niedergelassen.  Es singen viele Graubülbüls in den Hecken und ernähren sich von den Blüten des Affodills. Auf den Mauern findet man Theklalerchen und Hausrotschwänze. Und unterwegs in einer abgelegenen kurvigen Straße mit hügeligen Olivenhainen entdeckten wir ein stattliches Exemplar einer Maurischen Landschildkröte. Weiter auf der Fahrt lassen sich viele Kuhreiher und große Trupps an Weißstörche beobachten.

Theklalerche
Theklalerche
Graubülbül
Graubülbül

Erst in der Dunkelheit erreichten wir Moulay Boussalem. Am nächsten Tag suchten wir den Campingplatz, in dem tagsüber Kapohreulen schlafen, um am Abend in die Wattlandschaft der Lagune jagen zu gehen, so Noeske & Halley. Wir fanden die Eulen nicht (und es gibt zwei Campingplätze, nicht nur einen, wie angegeben). Stattdessen fuhren wir mit einem Fischer in die Lagune: Keine Goldregenpfeifer, dafür viele Kiebitzregenpfeifer, dem Lebensraum entsprechend. Einige Kampläufer, Grünschenkel, Große Brachvögel und wenige Steinwälzer. Nicht wenige Kuhreiher, Seidenreihen und Graureiher. In der Luft Mantel- und Dünnschnabelmöwen, Raub- und Brandseeschwalben.

Raubseeschwalbe
Raubseeschwalbe
Dünnschnabelmöwe
Dünnschnabelmöwe

Ein Rohrweihen-Männchen wird von den Mantelmöwen bedrängt. Ein Trupp von Rosaflamingos fliegt ein und unser Fischer zündet sich erleichtert eine Zigarette an, denn die hatte er uns versprochen. Mittelmeermöwen zanken sich am Hafen über die von den Fischern ins Wasser geworfenen Reste. Von ihnen bekommen wir eine riesige, noch lebende Triton-Schnecke.

Muschelsucherin im Lagunenwatt
Muschelsucherin im Lagunenwatt

Für die Lagune von Moulay Boussalem sowie für die Wiesenbereiche an ihren Rändern, mit Chance auf den Dünnschnabelbrachvogel, bräuchten wir gut noch zwei Tage. Doch dafür haben wir leider keine Zeit und die Straße ist extrem schlecht.

Rosaflamingos in der Lagune Moulay Boussalem
Rosaflamingos in der Lagune Moulay Boussalem

Auf der Rückfahrt nach Fes entdecken wir eine Flachwasserzone nördlich der Stadt Sidi Kacem, jedoch mit einer Menge Unrat. Viele Löffelenten und Teichhühner aber auch bis zu 200 Stelzenläufer und rund 50 Bekassinen halten sich dort auf. Vereinzelt Kampfläufer, Waldwasserläufer und Grünschenkel machen wir aus und als Besonderheit einen brauner Sichler. Panik bringt in die Gesellschaft eine einschwebende Rohrweihe.

Bei der Zwischenrast oberhalb des Stausees Sidi Chahed endlich ein Gleitaar, der leider mein Teleobjektiv ziemlich meidet. Endlich konnten wir den nordafrikanischen Buchfink näher betrachten, der sich vom Europäischen ganz deutlich in der Färbung unterscheidet. Bessere Aufnahmen gelangen uns später im Atlasgebirge.

Sichler und Stelzenläufer bei Sidi Kacem
Sichler und Stelzenläufer bei Sidi Kacem
Gleitaar in Jagdbereitschaft
Gleitaar in Jagdbereitschaft

Fahrt nach Ifrane. Der Wetterbericht hat nichts Gutes versprochen und glatt auch eingehalten: Strömender Regen und später Schneetreiben mindern unsere Hoffnung auf den Atlasgrünspecht. Den sehen und hören wir nicht. Auch die Marmelenten am See Dayet Aoua bleibt und im aufkommenden Nebel über dem Wasser verborgen. Dafür entschädigen uns die Kammblässhühner, die in Ufernähe weniger scheu verweilen.

Kammblässhuhn mit beginnender Kammschwellung, Dayet Aoua
Kammblässhuhn mit beginnender Kammschwellung, Dayet Aoua

Auch der herankommende Trupp Buchfinken mit den begehrten Nordafrikanern (Unterart „africana“) sowie ein paar Misteldrosseln lassen sich aus der Nähe beobachten und trotz Regen gut fotografieren.

Misteldrossel
Misteldrossel
Nordafrikanischer und europäischer (hinten) Buchfink
Nordafrikanischer und europäischer (hinten) Buchfink

Im Naturpark Foret de Cedres bei Azrou mit den riesigen Zedern gibt es die berühmten Berbermakaken, eine Halbaffenart. Tatsächlich können wir mit Hilfe der gelangweilten Parkwächter, da niemand außer uns bei dem nasskalten Wetter da ist, drei wild lebende Makaken mit Erdnüssen anlocken. Und sie holen sich alle, restlos! – An den Stämmen der mächtigen Zedern lassen sich trotz Schneetreiben Gartenbaumläufer von der Nahrungssuche an den Stämmen nicht abbringen. Einige kleinere Trupps der schönen nordafrikanischen Buchfinken hüpfen auf dem leeren Parkplatz umher.

Schnell geht die Woche vorbei und wieder in Fes angekommen, bekommen wir dann doch noch ein paar Sonnenstrahlen ab.

Park am Königspalast in Fes
Park am Königspalast in Fes
Blick in einen Metallwarenladen, Alte Medina Fes
Blick in einen Metallwarenladen, Alte Medina Fes

Ende.

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